Auszug aus einem Interview mit Benita Meißner, Juni 2026
Wie findet sich das Thema „Atem“ in Deiner Arbeit wieder?
Ein großer roter Frauenmund öffnet sich langsam, während am rechten Rand des Mundes in Comicmanier ein „Ahh“ erscheint. Das „Ahh“ kann Ausatmen bedeuten oder auch als Schrei interpretiert werden. Beides hat mit Atmung zu tun. Im Gegensatz zum normalen Ein und Ausatmen holt man vor einem Schrei tief Luft.
Was war der Grundgedanke für das Video “ahh”?
Ich wollte über das Strecken und Zusammenkauern meines eigenen Körpers unter dem lebensgroßen Papier, der malerischen Darstellung des roten Mundes Leben einhauchen. Es sollte so aussehen, als ob der Mund auf und zu geht. Durch den Loop atmet oder schreit dieser Mund in regelmäßigen Abständen.
Inwieweit fließen gesellschaftlich relevante Themen in Deine Arbeiten ein?
Die Rolle der Frau und ihre Stellung in der Gesellschaft beschäftigt mich seit Beginn meiner künstlerischen Arbeit. Bildliche Werkzeuge von Frauenrechtsdemonstrationen – wie nackte Brüste, Zerplatzte Tomaten oder rote schreiende Münder – sollen auf Missstände bezüglich der Gleichberechtigung der Geschlechter aufmerksam machen. Diese plakativen Bilder verarbeite ich in meinen bildhauerischen und medialen Arbeiten.
Mit dem Motiv des weit aufgerissenen roten Frauenmundes entstanden bereits vor zwei Jahren die ersten Videoskizzen. Inspiration für das Motiv waren Bilder einer Demonstration von kolumbianischen Frauen, die sich Kopf und nackten Oberkörper mit einem weit aufgerissenen Frauenmund bemalt haben, um die inneren Schreie von Frauen zu verdeutlichen, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden.
Ich habe damals schon versucht, auf verschiedene Arten diesen Schrei künstlerisch zu verarbeiten und fertigte verschiedene Videoskizzen an. Dieses Jahr kam mir die Idee, den Mund auf ein 2,50 x 1,20 m großes Papier zu malen und mich drunter zu legen.